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IV. Kämpfer gegen Faschismus und Nazismus

1) Breitscheid, Rudolf (2.11.1874 - 24.8.1944)
Block Lietzensee, Feld 22, Wahlstelle 115
Schriftsteller, Sozialdemokrat und aufrechter Kämpfer gegen gegen Krieg, Faschismus und Imperialismus.Tod im KZ Buchenwald.

2) Günther, Hanno (12.1.1921 - 3.12.1942)
Block Urnenhain III, Feld 10, Wahlstelle 89
Bäcker und Widerstandskämpfer, verteilte Flugblätter, schrieb in der Todeszelle einen ergreifenden Brief an seine Mutter. Hingerichtet in Plötzensee.

3) Hüttig, Richard (18.3.1908 -14.6.1934)
Block Charlottenburg, Feld 9, Reihenstelle 146
Arbeiter, gehörte der Roten Jungfront und dem Kampfbund gegen den Faschismus an. Er war der erste politische Widerstand

4) Noack, Johannes (25.12.1878 - 9.5.1942)
Block Schöneberg, Gartenblock II, Wahlstelle 75
Pfarrer in der Lutherstadt Eisleben, gehörte der Bekennenden Kirche an. War im KZ und starb an den Folgen.

5) Weißler, Friedrich (28.4.1891 - 19.2.1937)
Block Epiphanien, Gartenblock II, Gartenstelle 17 Landgerichtsrat, gehörte zur Bekennenden Kirche, verstarb im KZ Sachsenhausen nach Folterungen.

6) Auf dem neuen Ehrenhain liegen 7 ermordete Widerstandskämpfer, die in den Jahren 1942 - 1944 auf Anweisung des Volksgerichtshofes unter dem Vorsitz Freislers,des Nazirichters
in Berlin-Plötzensee, hingerichtet wurden:
Beer, Erich
Finkernagel, Theodor
Hertel, Theodor
Reuscher, Bodo
Bettge, Franz
Guter, Hans-Joachim
Neuhäuser, Paul

1.) Letzter Brief Hanno Günthers an seine Mutter
Liebe Mutter! Wenn Du diesen Brief erhältst, lebe ich nicht mehr. Ich hoffe und wünsche von ganzem Herzen, daß Du diese Nachricht ebenso ruhig und gefaßt aufnimmst, wie ich heute die Mitteilung von meiner heute abend zu vollziehenden Hinrichtung entgegennahm. Sei überzeugt, daß ich bis zum letzten Augenblick mich in der Gewalt haben werde, und ich erwarte fest, daß auch Du nicht und niemals verzweifeln wirst, was auch kommen mag. Du schriebst einmal, wir zwei bilden eigentlich eine Einheit, und dies ist auch mein unverbrüchlicher Glaube. Diese Verbundenheit kann nun auf ewig nicht mehr getrennt werden. Bei unverdorbenen Völkern herrscht der schöne Glaube, daß man nach seinem Tode in den Schoß der Mutter zurückkehrt. Dies habe ich, wenn auch im übertragenen Sinne, zu meinem Glauben gemacht. Denn siehe, wenn es eine überirdische Macht gibt, so sind wir doch alle Ausdrucksformen Gottes. Mit unserem Tod vereinigen wir uns wieder mit dem Ursprung, der eine früher, der andere später. So sind auch wir von nun ab wieder unzer- trennbar vereint. Wir haben alle hier auf Erden eine Aufgabe zu erfüllen, und meine Aufgabe ist nun erfüllt. Ich komme zu Dir zurück. Dir aber wünsche ich, daß Dir noch in einem recht langen Leben viel Gutes und Schönes beschert werde, daß Du Dir Deinen Lebensmut nie rauben läßt, und daß Du dereinst genauso ruhig und zuversichtlich den unvermeidbaren Gestaltwechsel voll- bringst, wie ich ihn zu vollbringen hoffe. Herzliche Grüße an Dich auf immer von Deinem Hanno

2.) Schicksal einer jüdischen Familie, beigesetzt auf dem SWK Auf dem Block Urnenhain II, Feld 12, Wahlstelle 34 steht ein schlichter grauer Granitstein. Darauf sind eingemeißelt die Namen:
Martin Samter geb. 1884, und seine Tochter
Felicia Samter geb. 1927 Datum ihres gemeinsamen Freitodes: 23.12.1940
Todesursache beim Vater: Tod durch Erhängen., Todesursache der Tochter: wurde vom Vater erhängt. Martin Samter wußte keinen anderen Ausweg mehr, um sich vor dem Abtransport in ein Konzentrationslager zu retten. Auf dem Denkstein steht der ergreifende Spruch, der sich wohl auf die 13-jährige Tochter bezieht: "Ich hab'ein kurzes, schönes Glück besessen. Hier schlummert es auf ewig unvergessen!" Außerdem steht auf dem Denkstein noch vermerkt der in Auschwitz umgebrachte Bruder, der Rechtsanwalt Dr. Artur Samter geb. 8.12.1886 -17.2.1943 in Auschwitz Laut Sterbeurkunde wurde er als Angestellter, nicht mit dem Titel Doktor und Rechtsanwalt ausgewiesen. Zur deutlichen Kennzeichnung, daß Artur Samter Jude war, wurde auf Anweisung der Nazis das Wort "Israel" hinter dem Vornamen eingefügt (bei Frauen "Sara").Nach dieser Sterbeurkunde vom Standesamt Auschwitz II war Artur Samter katholisch, früher mosaisch. Todeseintritt am 17. 2.1943, 8.20 Uhr in der Kasernenstraße, Ausstellung der Sterbeurkunde am 30.9.1943 in Auschwitz. Am 12.2.1944 konnte die Urne von Artur Samter auf dem Südwestkirchhof endlich beigesetzt werden.

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