Friedhof der St.-Petri-Gemeinde

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Der 1838 angelegte Friedhof ist der jüngste und gleichzeitig einzig erhaltene der St.-Petri-Gemeinde, deren heute ebenfalls verschwundene Kirche am Petriplatz nahe der Gertraudenstraße in Mitte die älteste Pfarrkirche von Berlins Schwesterstadt Cölln war. Ein Pfarrer Symeon zu Cölln, der in einer Urkunde von 1237 auftaucht, ist zugleich der älteste urkundlich belegte Berliner. Bis 1717 nutzte die Gemeinde den Kirchhof gleich an der Petrikirche, danach den heute ebenfalls verschwundenen Jakobskirchhof in Kreuzberg. Am 22. August 1838 wurde der Friedhof von Bischof Neander geweiht, tags darauf erfolgte die erste Beisetzung.

Auf dem Rondell auf der Hauptallee steht die als Grabmal für Helmut Kraatz und seine Frau Anna 1982 von Achim Kühn (geb. 1942) geschaffene Skulptur "Die Ehe". Die Skulptur war ursprünglich auf dem Friedhof II der Georgen-Parochial-Gemeinde aufgestellt und fand nach Beschädigung und Reparatur hier ihren Platz.

Die Kapelle am Ende der Hauptallee ist ein Neubau aus den Jahren 1910/11 nach Plänen von Walter Koeppen (1877-1933). Der Putzbau im Stil des frühen Berliner Klassizismus hat in der Mitte der dreiachsigen Hauptfront eine Nische, in der sich das von dorischen Säulen flankierte Portal mit Reliefschmuck über dem Sturz befindet.

Im folgenden wird eine Auswahl von historisch und/oder kunsthistorische interessanten Grabstätten aufgelistet.

Ferdinand Wilhelm Ermeler(1784-1866), Tabakfabrikant, Buntmetallkopiene von Eisengusstafeln, die jeweils ein Tondo mit kniendem Engel und Mohnpflanzen tragen. Die Originale befinden sich in der Friedhofskapelle. E 01 - 1 - 16-18

Perry Friedman (1935-1995), Folksänger, Mitbegründer des Oktoberklubs. Urnenstelle U 71-48-21

Paul Gause (1850-1933) und Familie, Butter- und Schmalzgroßhändler, Mausoleum (erb. 1908) in Pyramidenform, bekrönt von einer Scheinurne, mit zwei Engelsfiguren neben dem Eingang. E 7 E
1995 im Rahmen der Tätigkeit der Stiftung mit Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin instand gesetzt und gesichert.

Hermann Freiherr von der Goltz (1835–1906), Propst zu St. Petri, Vizepräsident des evangelischen Oberkirchenrates, Kreuz aus schwarzem Granit auf Postament. E 03

Dorothea Louise Henrtiette Görlitz, geb. Böttcher (1794-1845), gusseiserne Grabtafel mit Engelreliefs. E 01 - 2 - 46/47

Karl Habicht (1868-1937), Pfarrer an St. Petri, Missionar, einer der prominentesten deutschen Freimaurer seiner Zeit, schlichtes Steinkreuz. E 03-33-8

Hermann Hagenmeyer (1855-1928), Großkaufmann, Muschelkalkrelief mit Trauernden in antiken Gewändern. E 04
1996 im Rahmen der Tätigkeit der Stiftung mit Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin gereinigt und gesichert.

Ernst Hillig (1833-1890), Brauereibesitzer, repräsentatives Wandgrab im Stil der Neorenaissance; vor Portalarchitektur aus poliertem roten Granit die Marmorskulptur eines Brauers mit Zunftsymbolen von Karl Albert Bergmeier (1856-1897). E 03
1996/97 im Rahmen der Tätigkeit der Stiftung mit Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin umfangreich gereinigt und gesichert.

Paul Karchow (1840-1874), Kaufmann, Destillateur; sein Bruder Max (1839-1915), Baumeister, sein Bruder Carl Johannes (1843-1891), Kaufmann, und Pauls Sohn Paul Friedrich jun. (1874-1943), Baumeister und Architekt, Wandgrab mit Gebälk und roten toskanischen granitsäulen, in Bogennische Sandsteinengel. E 03

Konrad Krüger (1848-1924), Pfarrer an St. Petri, Superintendent, Grabstele aus Marmor mit Eisengussrelief von Reinhold Boeltzig (1863-?), eine Abschiedsszene und Trauernde darstellend. E 03-34-1/2
1997 im Rahmen der Tätigkeit der Stiftung mit Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin gereinigt und gesichert.

Franz Felix Adalbert Kuhn (1812–1881), Indogermanist und Mythenforscher, Direktor des Köllnischen Gymnasiums und Mitglied der Akademi der Wissenschaften. Grab eingeebnet.

Georg Lademann (1863-1907), Eisenwarengroßhändler, repräsentative Gittergrabanlage in neobarocker Form. E 01
1996/97 im Rahmen der Tätigkeit der Stiftung mit Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin instand gesetzt und gesichert.

Hans Meißner (1891-1914), Gerichtsassessor, Muschelkalkgrabwand mit Ornamentverzierung und Relief, einen knieenden trauernden Jüngling mit Mohnblüten darstellend. E 03
1996 im Rahmen der Tätigkeit der Stiftung mit Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin gereinigt und gesichert.

Carl Justus Moeller (1816-1842), Akademiker, Quader mit ionisierendem Kapitellaufsatz und Inschrift "Er bestieg den Gross-Glockner im September 1837.". E 01 - 1- 14

Daniel Amadeus Gottlieb Neander(1775-1869), Theologe, Bischof der Ev. Kirche, ehemals dreiteiliges Wandgrab nur fragmentarisch erhalten. E 01 - 1 - 27-30

Gustav Reimann (1829-1902), Medizinalrat, Wandgrab mit Marmorrelief einer verschleierten Frau, im Begriff, eine Tür zu durchschreiten. E 03
1996 im Rahmen der Tätigkeit der Stiftung mit Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin gereinigt und gesichert.

Adolph Roesicke (1817-1886), Kaufmann, erwarb die 1864 Brauerei von Jobst Schultheiß (1802-1864), die sein Sohn Richard (1845-1903) leitete und zur seinerzeit größten Brauerei Deutschlands ausbaute. Dieser war außerdem Sozialpolitiker und -reformer, Mitglied des Reichstages 1890-1913. Neoklassizistisches Mausoleum (erb. 1887) Nach einem Entwurf von Franz Schwechten. E 03

Marie Schober (1858-1919), ädikulaartiges Wandgrab aus Granit mit Marmorfigur eines Engels (Kopf verloren). E 7 E
1997/98 im Rahmen der Tätigkeit der Stiftung mit Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin restauriert. Unter anderem verlorene Säulenteile ergänzt.

Heinrich Wilhelm Wagener (1782–1861), Bankier und Konsul, Kunstsammler, seine private Gemäldesammlung wurde Grundstock der Nationalgalerie. Grab eingeebnet.

Quellen:

Klaus Hammer: Historische Friedhöfe in Berlin. Berlin: Stattbuch-Verl., 1994

Martin Bröckl, Eckhard Fürlus, Christa Niemann: Kirchhof der St.-Petri-Luisenstadtgemeinde. Ein Friedhofsführer. Berlin: Edition Luisenstadt, 2003

Berliner Bezirkslexikon Friedrichshain-Kreuzberg bei www.berlingeschichte.de. Berlin: Edition Luisenstadt, 2003

Die Bau- und Kunstdenkmäler in der DDR, Hauptstadt Berlin, Band I. München: C. H. Beck, 1983

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